Ulf Berner

Zum Jahreswechsel 2016/2017

Liebe Leserinnen und Leser,

Das Jahr neigt sich mit riesen Schritten dem Ende zu und da ist es Zeit, sowohl zurück, als auch nach vorne zu schauen.

Was waren die Highlights im Jahr 2016?

Sitzungs-Foto
Foto von links: Antje Kloster, Michael von den Berg, Anke Wellnitz, Frank Uwe Walpurgis, Ulf Berner,
Hartmut Tammen-Henke, Frank Oltmann.

Bereits im Januar haben wir uns für die „Selbsthilfekontaktstelle Wittmund-Wilhelmshaven“ (SeKo) stark gemacht (wir haben berichtet ). Der SeKo drohte ab Oktober das finanzielle Aus und der Rat der Stadt war nicht bereit Unterstützungsleistungen in Höhe von 5.000 EUR zu bewilligen. QUEERströmung e.V. und die SeKo haben dann gemeinsam die Initiative ergriffen und die Politik mit SPD, GRÜNE und UWG, sowie die ebenfalls finanzschwache Arbeitsloseninitiative Wilhelmshaven (ALI) an einen Tisch geholt. Gemeinsam wurden Lösungsmöglichkeiten diskutiert und man einigte sich darauf, dass die politischen Parteien im neu gewählten Stadtrat einen Sozialfond einrichten werden, aus dem dann auch SeKo und ALI unterstützt werden. Darüber hinaus hatte sich vor allem der ehemalige Bürgermeister Holger Barkowski (SPD) stark gemacht, Spenden zu sammeln und als Partner den WSC Frisia gewonnen, der ein Benefizspiel veranstaltete. Mit allen eingegangenen Spenden konnte die SeKo für 2016 abgesichert werden.

Das Versprechen, der neue Rat würde einen Sozialfond beschließen, der auch die SeKo zukünftig stützt wurde leider nicht eingelöst. Die CDU brachte den Antrag für einen Sozialfond ein, der aber alle Organisationen ausschließt, die hauptamtliche Kräfte beschäftigen. Trotz vehementer Gegenwehr von B’90/DIE GRÜNEN, DIE LINKE, Die PARTEI, der BASU und einer kleinen Minderheit der SPD wurde dieser Fond so mit den Stimmen von CDU, WBV, FDP und dem größten Teil der SPD durchgewunken.

Aus Sicht des QUEERströmung e.V. ein klarer Vertrauensbruch seitens der Mehrheit der SPD-Fraktion im Rat. SeKo, ALI und auch die Wilhelmshavener AIDS-Hilfe – Organisationen, die eine sehr wichtige Arbeit in dieser Stadt leisten, zu der die Stadt selbst nicht in der Lage ist, werden künftig kein Geld aus dem Sozialfond bekommen.

LSVD LogoIm März trafen sich QUEERströmung e.V. und der Lesben und Schwulenverband Deutschland (LSVD) zu einem Kooperationsgespräch in Wilhelmshaven.(wir haben berichtet ) Es ging um eine enge Zusammenarbeit bei Veranstaltungen und bei queerpolitischen Themen. Ein erster gemeinsamer Auftritt fand dann sehr erfolgreich zum DGB-Fest am 1.Mai statt. Bei Veranstaltungen an denen der LSVD nicht mit eigenen Kräften vor Ort ist, wird QUEERströmung Informationsmaterial für die Besucher bereit halten. Weitere Kooperationsmöglichkeiten, werden die beiden Organisationen im Frühjahr 2017 besprechen.

Sehr erfolgreich hat unser Team 2016 auch wieder die Kur für Regenbogenfamilien in Carolinensiel begleitet. Dieses in Deutschland einmalige Angebot des DRK Nordrhein-Westfalen, findet im Frühjahr 2017 nun bereits zum vierten Mal in Kooperation mit dem QUEERströmung e.V. statt. Informationen zu diesem Angebot haben wir auf unserer Homepage bereitgestellt.

Am 17. Mai 2016 beteiligte sich QUEERströmung anlässlich des internationalen Tages gegen Homophobie am IDAHOT 2016 in Bremen. Einen Filmbericht von dem Ereignis gibt es unter https://youtu.be/RujyVyak72k.

Natürlich waren wir auch in 2016 auf den CSD in Aurich und Oldenburg und haben uns in Wilhelmshaven am Kulturkarussell beteiligt. Flagge Zeigen, ist wichtiger denn je.

Im August nahm QUEERströmung an der ersten Gesundheitskonferenz der Gesundheitsregion Jade-Weser teil.(wir haben berichtet) Hier geht es uns darum auch die gesundheitlichen Folgen von Diskriminierung queer lebender Menschen zu beleuchten und allegemein die Gesellschaft für LGBTIQ-Themen zu sensibilisieren. Auch 2017 solle es wieder eine Gesundheitskonferenz mit unserer Beteiligung geben.

Im September übernahm QUEERströmung die Rolle der regionalen Anlaufstelle der landesweiten Vernetzungsstelle für die Belange von LSBTI*-Flüchtlingen. Am 19. September eröffnete Sozialministerin Cornelia Rundt die Vernetzungsstelle in Hannover (wir haben berichtet). QUEERströmung setzt sich mit dem Schwerpunktprojekt COSMOQUEER für die Unterstützung queer lebender Migrant*innen und Geflüchteter ein.

Die eigenständige Gruppe QUEEREROS hat sich toll entwickelt. Die Träger QUEERströmung e.V., Streetwork Wilhelmshaven und Jugendzentrum POINT sind mit der Kooperation und der Entwicklung der Gruppe sehr zufrieden. Die Zusammenarbeit mit Organisationen, wie zum Beispiel „Gay in WHV“ oder der Wilhelmshavener AIDS-Hilfe, sind weiter eng und freundschaftlich .

Den queerpolitischen Kampf verstärken.

CSD Nordwest 2014Nicht erst seit 2016 gibt es landesweit Tendenzen die queerpolitische Rolle rückwärts zu proben. Nicht nur die AFD, die bei nahezu allen Landes- und Kommunalwahlen Sitze in den Parlamenten erlangen konnte, will dass von uns erreichte in Frage stellen. Auf der Suche nach Wählern begibt sich nun auch die CDU auf rechtskonservative Pfade. In Zeiten von „Das muss man doch mal sagen dürfen„, sehen sich queer lebende Menschen wieder offenen Beleidigungen und Diskriminierungen bis hin zur körperlichen Angriffen ausgesetzt. Wenn selbst der GRÜNE Ministerpräsident von Baden-Würtemberg, Winfried Kretschmann, die Gelder in seinem Land für queere Projekte streicht, dann läuft etwas in die ganz falsche Richtung.

Der Wind weht uns wieder scharf entgegen und die Zeit in der Wohlfühlzone ist definitiv vorbei, wenn wir das Erreichte nicht preisgeben wollen. Positiv zu vermerken ist, dass die Niedersächsische Landesregierung die Mittel für queere Projekte und Initiativen deutlich aufgestockt hat. 2017 ist Bundestagswahl und direkt Anfang 2018 folgt die Landtagswahl in Niedersachsen. Es gilt unsere Forderungen nach Gleichberechtigung und Schutz vor Diskriminierung den Parteien deutlich in ihr Programm zu diktieren und Wahlentscheidungen darauf hin zu prüfen.

Was den neuen Stadtrat in Wilhelmshaven angeht, so sind wir in der tollen Lage, gleich vier offen queer lebende Vertreter in verschiedenen Parteien dort vorzufinden, was es sicher einfacher macht, queere Themen dort einzubringen.

Was wird uns 2017 bringen?

LSVD trifft QUEERströmung

Wir werden unseren Einsatz für die queere Gleichberechtigung und gegen Diskriminierung unvermindert fortsetzen. Dazu werden wir die Kooperation mit dem LSVD verstärken, uns an den öffentlichen Veranstaltungen, wie DGB-Fest am 1. Mai und den CSD’s in Aurich und Oldenburg beteiligen, kontinuierlich mit den Parteien im Rat der Stadt Wilhelmshaven im Diskurs bleiben und auch auf Landesebene unsere Kraft für die queere Community einsetzen.

Wir planen den zweiten QUEERdialog durchzuführen und unterstützen die Wilhelmshavener AIDS-Hilfe bei ihrem 30-jährigen Jubiläum.

Natürlich wird unser „QUEERfriday“ in gewohnter Form immer den 2. Freitag des Monats in Süly’s ASTRA Pott statt finden und auch eine PinkBayParty wird es 2017 sicher wieder geben.

Was zu sagen bleibt

Vorstand
Vorstand des QUEERströmung e.V. (v.l.: Georg Berner-Waindok, Birgit Meiners, Ulf Berner)

Im Namen des Vereins QUEERströmung e.V. danke ich allen Unterstützer*innen und Mitgliedern für ihren großartigen Einsatz in 2016. Allen Partnerorganisationen danke ich für die tolle Zusammenarbeit und das Vertrauen, dass sie in uns gesetzt haben.

Allen Mitwirkenden, Freunden, Bekannten und Unterstützern wünsche ich im Namen des Vorstandes einen friedlichen Jahreswechsel und ein gesundes, zufriedenes und engagiertes Jahr 2017.

Auch im neuen Jahr stehen wir wieder vor vielen Herausforderungen, die wir nur gemeinsam mit vereinten Kräften und gemeinsamer Freude an der Sache bewältigen können.

In diesem Sinne, mit den besten Wünschen und Grüßen

Ulf Berner

Vorstand

QUEERströmung e.V.

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